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Scythe Ninja im Kampf um die Passiv-Krone
Autor:
Martin Eckardt
Publiziert:
09.06.2005
Kategorie:
CPU Cooler
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Tweakers4u stellte in der Vergangenheit bereits einige komplett passive Prozessorkühllösungen vor, musste aber resignierend feststellen, dass ein derartiges Arbeiten auf unserer heizplattenähnlichen Prescott-Kühlertestplattform nur mit stark minimierter Taktfrequenz oder zusätzlicher Gehäusebelüftung realisierbar gewesen ist. Da sich eine derartige Konfiguration jenseits von 80°C Kerntemperaturen und einsetzendem Thermal Throttleing als sinnfrei und praxisfern darstellt, sei uns heute eine Neuauflage der Betrachtung in typischerer Umgebung erlaubt. Im Rahmen des Tests des Scythe Ninja Passiv-Prozessorkühlers lassen wir eine Vielzahl der am Markt vertretenen, unbelüfteten Kühlsysteme auf einer aktuellen Athlon 64 "Venice" Plattform gegeneinander antreten.

Vielen Dank an Scythe für die unproblematische Bereitstellung des Kühlers. Leider ist der Ninja aktuell noch nicht in Deutschland erhältlich. Wir rechnen mit einer Preisgestaltung im Bereich von leicht unter 50 Euro.

Lieferumfang Scythe Ninja

Scythe verpackt seine Produkte erfreulicherweise in Papp-Kartonagen. Das ist umweltschonend und im Hinblick auf die Wiederverwendung ebenfalls optimal. 

  • Scythe Ninja Passiv-Kühler
  • 120-mm-Lüfterdrähte
  • K8 Retention-Modul
  • Montagezubehör
  • Silikon-Wärmeleitpaste
  • Installationsanleitung, englisch mit Schemata

Technische Merkmale

  • Modellnummer: SCNJ-1000 Ninja
  • Abmessungen: 110 x 110 x 150 mm
  • Material: Kupferboden, Aluminiumlamellen
  • Sechsfach Heatpipe, 23 Lamellen ( 4 mm Abstand )
  • Gewicht ohne Lüfter: 665 g
  • Kompatibilität: S478 / 775 LGA / 754 / 939 / 940
  • Produktwebseite

Kühlkörper im Detail

Der Scythe Ninja ist ein sehr imposanter Prozessorkühler, der sich außer auf dem Sockel A auf allen aktuellen Plattformen beheimatet fühlen kann. Im Gegensatz zu den bisherigen Passiv-Kühlern der Marke repräsentiert der Ninja keinen vollkommen lüfterlosen Charakter, sondern lässt sich, ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft zeigend, auch variabel mit 120-mm-Modellen bestücken. Dies geschieht über eine einfache Drahtbügelhalterung, die an allen vier Seiten des Boliden eingehangen werden kann. Dies sollte aus Platzgründen allerdings erst nach der Montage des Kühlers geschehen, ist dann aufgrund des eingeschränkten Handlungsfreiraumes allerdings nur mit viel Fingerspitzengefühl möglich.

   

Zu den markantesten Wesenszügen des japanischen Kühltowers gehört die Verwendung von sechs U-förmig aufgebogenen sechs Millimeter Heatpipes. Aufgrund des nicht drehbar variierbaren Lamellenaufbaus wären die üblichen, sehr breiten Heatlanes im Hinblick auf eine empfehlenswerte Anpassung an die gegebene Sockelausrichtung nicht mit einer optimalen Luftstromnutzung vereinbar gewesen. Durch das nahezu symmetrische Grunddesign des Ninja erspart man sich somit die Notwendigkeit eines solchen Anpassmechanismus', wie ihn beispielsweise der NCU-2005 oder der Noiseblocker Cool-Scraper besitzen.

Der Lamellenabstand der 23 aufgesteckten Aluminiumeinheiten wurde mit vier Millimetern etwas geringer gewählt, als bei den komplett auf Passiv-Kühlung ausgelegten NCU-Modellen. Dadurch erhöht sich die effektive Kühloberfläche deutlich, die Anfälligkeit auf sich stauende Luftpolster wird dagegen noch vergleichsweise gering gehalten. Trotz der sehr dünn geschnittenen Leichtmetall-Lamellen, welche materialbedingt etwas scharfkantig wirken und sich sehr verbieganfällig präsentieren, bringt der stämmige Koloss spezifikationsferne 665 Gramm auf die Waage. 

   

Die Optik und Qualität des Gebotenen lassen sich unterdessen - ohne schmeicheln zu wollen - als hervorragend bezeichnen. Speziell die kupferne Bodenplatte, welche mit den überkreuzenden Heatpipe-Trippeln und dem zusätzlich angebrachten Aluminiumkühlkörper einen verschraubten Sandwich-Verbund eingeht, weiß in ihrem Feinschliff vollends zu überzeugen. Den eindrucksvollen Auftritt gekonnt abrundend, wurden die Heatpipeenden mit kleinen "Stahl-Käppchen" versehen.

Montage (PDF-Anleitung)

Die Montierung des Scythe Ninja auf den gängigen AMD und Intel Sockeln erscheint zunächst einfacher als sie es letztendlich ist. Besitzer von Sockel 478 Platinen können sofort mit dem eigentlichen Vorgang beginnen, während es für die übrigen unterstützten Konfigurationen an den Ausbau der Hauptplatine geht. AMD K8-User müssen zunächst das serienmäßige gegen das mitgelieferte Ösen-Retention-Modul inklusive Backplate austauschen. Beim LGA 775 richtet man ebenfalls eine Ösenhalterung ein.

   

Darauf hin platziert man den massigen Kühler auf dem mit Wärmeleitpaste bestrichenen Prozessor. Dies empfiehlt sich weiterhin im ausgebauten Zustand - ohne Grafikkarte und Systemspeicher - vorzunehmen, denn angesichts der imposanten Ausmaße des Ninja wird jedes Quäntchen Freiraum benötigt. Die vier voneinander unabhängigen Einrastklammern lassen sich weiterhin nur mir sehr großer Mühe, extrem hohen Druck und schweißtreibender Präzisionsarbeit kreuzweise in die Ösen des Befestigungsmoduls einrasten. Dieser prinzipiell simple Vorgang kann unter Umständen einige verzweifelnd mühselige Minuten in Anspruch nehmen. Unsere traurige Bilanz: Zwei kleinere Schnittwunden an den zarten Tester-Händen und verbogene Lamellen am Ninja - der Kühler machte hier seiner schnitt-gefährlichen Namensgebung wirklich alle Ehre. Noch schwerfälliger gestaltete sich die Demontage, da der Drehpunkt der eingerasteten Klammern auch bei sehr hohem Daumendruck nur sehr zögerlich einsetzt. Unter Zuhilfenahme beider Hände und eines Schraubendrehers gelang der operative Akt dann dennoch.

Grundsätzlich bejubeln wir jedweden Verzicht auf Montagewerkzeug und Verschraubungen. Im Fall des Scythe Ninja sollte allerdings noch einmal über den extrem hohen Druckbedarf, die verschwindende Hebeleigenschaft und die geringe Griffigkeit der Arretierungsklammern philosophiert werden, um der Kundschaft mehr Komfort in dieser Prozedur, trotz ihrer Seltenheit, zu gewährleisten.

Kompatibilitätsprobleme konnten wir hingegen keine feststellen. Die Haltegriffe überragen die erste RAM-Bank leicht, sodass auch ein Wechseln des Speichers noch möglich ist. Der Abstand zur Grafikkarte könnte allerdings bei einigen Layouts und Kühllösungen zu Problemen führen. Mit unserem verwendeten BeQuiet Polar-Freezer VGA-Kühler schrammten wir haarscharf an einer Kollision vorbei; ein AeroCool VM-101 ließe sich da nicht mehr einsetzen. Ferner könnte die Kühlerhöhe zur Unschließbarkeit der Gehäusetür führen, denn 150 mm Bauhöhe sind kein Pappenstil.

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