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* Der Schmetterling unter den Netzteilen: Tt Purepower 480W Butterfly *

  • Autor: Martin Eckardt
  • Kategorie: Gehäuse / Netzteile
  • Datum: 11.2003
Hersteller:  Thermaltake
Produktname:  Purepower Butterfly 480Watt
Vertrieb:  PC-Icebox
Preis:  119 EUR

Bereits vor einigen Tagen testeten wir mit dem Sharkoon SHA300-8P ein Netzteil eines Herstellers, welcher sich bis dato auf den Modding- und Zubehörmarkt spezialisierte und sich sowohl im qualitativen, als auch im ideenreichen Umfang einen angemessenen Namen machen konnte. Leider konnten wir dem Sharkoon Power-Lieferanten keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen - es gab einfach zu viele Unstimmigkeiten. Auch im heutigen Netzteiltest begrüßen wir wieder einen Probanden eines Herstellers, der sich eigentlich in anderen Gebieten zuhause wägt: Thermaltake. Doch anders als Sharkoon's recht unauffälliger Spross zeigt das Purepower 480W Butterfly gleich beim ersten Blickkontakt, warum es unter der Tt-Flagge segelt. Ein poppig buntes Design mit blinkenden LEDs soweit das Auge reicht, gepaart mit einer Fülle an Lieferbeigaben nach denen man eigentlich gar nicht gefragt hat - typisch Thermaltake. Die einen sind begeistert von dieser optisch favorisierten Firmenpolitik, die anderen können selbiger keinen Sinngehalt abgewinnen. Nichts desto trotz versuchen die Taiwaner wie kaum ein anderer Hersteller, den Käufer mit einer Fülle an Features zu verwöhnen und dies nicht selten zu unschlagbaren Preisen. Der Test wird zeigen, ob man nun bedenkenlos zum Purepower Butterfly greifen kann, ohne sich später ärgern zu müssen.

Vielen Dank an Thermaltake für die Zusendung des Netzteils.

Lieferumfang

In alter Tt Manier kommt beim Kauf eines Purepower Butterfly Netzteiles nicht nur das gewünschte PC-Bauteil, sondern mit selbigen eine Veilzahl an Zugaben im XXL Paket. Beim Öffnen der Tragekartonage erblicken die leuchtenden Augen des findigen Käufers einen Tt-Radiallüfter, eine 5,25" doppel - Lüftersteuerung sowie ein Tütchen Montageschrauben. Auch ein oftmals vermisstes sehr gutes Kleienhandbuch in englischer Sprache liegt bei, ebenso wie das obligatorische Kaltgerätenetzkabel. Im Bezug auf die Ausstattung gibt's von unserer Seite also schon einmal ein "beide Daumen hoch", wenngleich der Preis für das PSU-Paket von Tt mit knapp 120 EUR recht hoch ist.

Leistungsverteilung

  • +  3,3 Volt : 30,0 A
  • +  5,0 Volt : 40,0 A
  • +12,0 Volt : 18,0 A
  • - 12,0 Volt : 0,8 A
  • -   5,0 Volt : 0,3 A
  • +  5,0 Volt vsb : 2,0 A ( Standby )
  • PFC: aktiv
  • Gesamtleistung: 480Watt

Auf der Thermaltake Homepage zum 480Watt Purepower Butterfly findet man sehr ausführliche Daten zu den einzelnen technischen Charakterzügen des Netzteils. Unter anderem wird auch der Wirkungsgrad mit > 68% angegeben. Eine Angabe, die von den meisten Usern sicher schnell überlesen wird, aber dennoch von enormer Wichtigkeit zur Einschätzung der PSU ( Power Supply ) Qualität ist. Angenommen ein PC benötigt 300 Watt unter Volllast. Um diese Leistung bereitstellen zu können, muss das Purepower mit einer Effizienz von nur 68% allerdings ganze 440 Watt aus der Stromleitung ziehen. Es werden also saftige 140 Watt in Wärme umgewandelt, die abgeführt werden müssen. Zudem fällt natürlich die Stromrechnung am Ende des Monats mit dem Butterfly wesentlich höher aus, als mit Netzteilen höheren Wirkungsgrades. Spitzen-Netzteile erreichen Werte von gut 80%. Das Tt-Modell muss sich hier also relativ weit hinten einreihen.

   

Details

Das rund 2,5Kg schwere Butterfly ist sowohl in einer schwarzen, als auch in einer silbernen Version erhältlich. Unser Modell ist mit einer rabenschwarzen Beschichtung äußerlich etwas angeraut und sehr kratzbeständig. Optischen Kontrast und Hochwertigkeit verleihen goldene Lüftergitter sowie goldene Verschraubungen. Im Bezug auf die Ausstattungsmerkmale glänzt das Butterfly in voller Pracht. Alle Kabelstränge haben eine mehr als ausreichende Länge und sind farblich nach Art unterschieden sauber von Nylonbändern ummantelt - der Ordnung und Optik zuliebe. Neben den obligatorischen Einzelsträngen für den Haupt-ATX, den 6pin AUX sowie den P4 spezifischen 12Volt Zusatzconnector sind auch zwei S-ATA Anschlüsse für moderne Festplatten vorhanden. Insgesamt neun 5,25Zoll Stecker für Peripheriegeräte und drei 3,5Zoll FDD-Anschlüsse verteilen sich auf drei, mit einem Meter Länge sehr großzügig bemessene, Kabeleinheiten. 

Über eine 3pin Molex Verbindung zum Motherboard kann zusätzlich die Lüfterdrehzahl des 80x80x25mm SmartFans ausgelesen werden, welche sich über die mitgelieferte Steuerung sequenziell von subjektiv sehr leise bis höllisch laut verstellen lässt. Besitzer eines Xaser Gehäuses, eines Hardcano 12 Front Panels oder ähnlichen Tt-Gerätes können sich sogar die reale Netzteil Temperatur über die LCDs der jeweiligen Thermaltake Zusatzprodukte anzeigen lassen.

Kühlung wird groß geschrieben

   

Vollkommene Kontrolle und absolutes Kühlmaximum stehen auch beim Purepower Butterfly ganz oben. So vermag man nicht nur auf die systemventilierende Wirkung der beiden 80mm Lüfter im Netzteil zu vertrauen, sondern liefert noch - quasi als Bonus - den bekannten X-Blower Gehäuse-Radiallüfter mit. Unserer Meinung nach etwas unpassend, denn sowohl geräuschseitig harmoniert der recht laute radiale Sprössling auch bei niedrigster Drehzahl nicht so ganz mit den Netzteillüftern, als auch praxisorientiert ist er weniger optimal, da nicht in allen Gehäusen an passender Stelle einsetzbar. Also, wenn schon ein zusätzlicher Gehäuselüfter im Bundle dabei sein muss, dann doch lieber ein herkömmlicher axialer Vertreter. Zum Konzept des Butterflys würde auch ein beleuchteter LED-Ventilator ganz gut passen!

Übersichtlich wollen wir euch hier die Merkmale der drei am Butterfly beteiligten Lüfter übermitteln:

Netzteil Lüfter ( Dual Fan ) Gehäuselüfter
Bauart axial: 80x80x25mm axial: 80x80x15mm radial: 80x80x70mm
Lagerung doppelt Kugelgel. einfach Kugelgel. doppelt Kugelgel.
Drehzahlen /
Steuerung
Temperaturgesteuert:
- 1300 rpm bei 25°C
- 4800 rpm bei 90°C
oder manuelle Regelung
immer 2400 rpm manuell:
2100 - 4500 rpm
Lautstärke 17dbA bei 1300 rpm
45dbA bei 4800 rpm
21dbA bei 2100 rpm
41 dbA bei 4500rpm
Förderleistung 34,89 m³/h bis 128,54 m³/h 18cm³/h bis 42cm³/h

Wie bereits angesprochen findet sich im Lieferumfang auch eine Aluminiumsteuerung für einen 5,25Zoll Einschub. Mit selbiger ist es möglich, sowohl den verstellbaren Netzteillüfter als auch den X-Blower in seinen Machenschaften nach seinen Wünschen zu beeinflussen. Die Verkabelung der Blende ist ausreichend bemessen, die Drehknöpfe sind recht groß geraten, drehen sich aber leichtgängig und griffig. Funktionell zwar und auch die Verarbeitung ist okay, eine ästhetische Offenbarung sieht allerdings anders aus.

   

Öffnet man das Netzteilgehäuse, wird man von einer aufgeräumten Verkabelung ebenso erwartet, wie von isolierenden Schutzfolien an den heikelndsten Stellen. Neben den elektronischen Bauteilen stechen zwei recht kleine blau eloxierte Aluminium Kühlkörper ins Auge. Viel Platzfreiheit bietet das Interieur eines genormten ATX-Netzteils ohnehin nicht mehr, nichts desto trotz fand Thermaltake die Möglichkeit zwei LEDs zu platzieren, welche im Betrieb munter in sieben verschiedenen Farbkombinationen im Sekundentakt etwas zweitversetzt vor sich hin blinken. Ob man diese Unruhe auf die Dauer verkraften mag, muss jeder für sich selbst entscheiden :o) 

Damit das - zugegebenermaßen in seiner Leuchtintensität steigerbare - Lichtspiel auch richtig zur Geltung und Tt der Namensgebung Butterfly berechtigterweise nach kommt, bietet das Purepower die Option, ein X-förmiges Blickfenster zu öffnen, welches standardmäßig von einer verschraubten, silbernen Blende verschlossen ist. Wirklich viel sieht man allerdings nicht durch das zusätzlich im Xaser-Style bedruckte Schmetterlings-Guckloch. Nichts desto trotz ein optisch nettes, wenngleich nicht essentielles Gimmick.

   

Wir haben versucht, euch den Lichtwechsel ein Kleinwenig näher zu bringen. Natürlich ist das Ganze nicht so einfach, die verschiedenen Farbkombinationen alle festzuhalten. Wir haben uns Mühe gegeben und durch Serienbilder ist es uns dann doch relativ gut gelungen ;-)

Stabilität und Testverlauf

Um eine ausgesprochen große Anforderung an den Test zu stellen, waren wir auf ein entsprechend stromhungriges Basissystem aus. Dennoch sollte das System in etwa den normalen Verbrauch eines schnellen Desktop Rechners nachkommen um repräsentative und vergleichbare Werte zu liefern. Eine ausreichend übertaktete CPU, eine schnelle Grafikkarte sowie die "üblichen Verdächtigen" bilden also unsere Plattform ( sortiert nach geschätzter / berechneter Leistungsaufnahme ):

  • Athlon XP 1700+ ( 2100MHz bei 1,87 Volt: ca. 110 Watt )
  • ATI Radeon 9800Pro ( ca. 50 bis 60 Watt )
  • AOpen Brenner ( ca. 27 Watt )
  • Epox 8KRA2+ ( geschätzt: ca. 25 Watt )
  • IDE Festplatte Maxtor ( ca. 15 Watt )
  • Maus / Tastatur ( ca. 3 Watt )
  • CPU Lüfter ( Papst 0,9 Watt )

Insgesamt kommen wir also auf einen Strombedarf im Bereich von etwa 250 Watt, wenn die einzelnen Komponenten alle ihren vollen Anspruch einnehmen. Dieser Wert sollte für das 480Watt starke Purepower absolut kein Problem darstellen, allerdings kommt es natürlich auch auf die Belastungsverteilung auf den einzelnen Schienen an. Speziell die 5 Volt Schiene findet in unserem System durch Laufwerk- und Grafikkartenbelastung recht starke Beanspruchung. Wohingegen die Bedarf für die CPU fast ausschließlich aus der 12Volt Leitung gedeckt wird.

Wir führen unsere Messungen mit dem Motherboard Monitor in Abstimmung mit einem Multimeter durch, um entsprechend genaue Werte liefern zu können. Die tabellarisch aufgeführten Ergebnissen stehen für die erzielten Maximums und Minimums eines Test-Tages. Auslastungen erfolgten über diverse Grafikkartenbenchmarks ( 3D Mark 03, X2, Gun Metal... ), während unser Tweakers4u-Toaster einer dauerhafte und vollständige CPU-Auslastung zusätzlich bescherte. Zwischen diesen Sessions hatte das System immer wieder Leerlaufphasen.

Sollwerte akzeptable Schwankung Minimum Maximum Abweichung max. v. Soll aufgetretene Schwankungen
VCore 1,84 - 1,87 1,84 V 1,89 V 0,04 V 50 mV
+ 3,3 Volt 3,15 - 3,47  3,33 V 3,39 V + 1,80 % 60 mV
+ 5,0 Volt 4,75 - 5,25 4,89 V 4,97 V - 2,20 % 80 mV
+ 12,0 Volt 11,4 - 12,6 12,34 V 12,46 V + 3,83 % 120 mV

Das Purepower liefert im Spannungstest befriedigende und ausgewogene, allerdings auch keine Spitzenwerte. Im Allgemeinen gibt es auf den einzelnen Belastungsschienen keine kritischen Abweichungen und auch die aufgetretenen Schwankungen belaufen sich im akzeptablen Rahmen. 

Etwas fahl ist der Beigeschmack allerdings bei Betrachtung der VCore-Schwankungen. 0,05Volt Unterschied zwischen Last und Leerlaufsituation ist eine sehr große Differenz - speziell für anfällige und weit übertaktete Prozessoren. Letztendlich können wir allerdings diese schwache Leistung nicht eindeutig der Tätigkeit des Netzteils zuschreiben, da sowohl Messungenauigkeiten durch den Motherboard Monitor, als auch der Einfluss des Mainboards nicht ausgemacht werden können. Unser letzter Testproband auf dieser Plattform allerdings, das Sharkoon SHA300-8P, leistete sich lediglich eine Schwankung von 30 mV bei der CPU-Spannung.

Praxisauffälligkeiten

Belässt man dem Netzteillüfter über seine Temperatursteuerung sein "intelligentes Eigenleben", wird man schon nach wenigen Minuten Betrieb böse überrascht. Die beim Systemstart noch gepriesene Laufruhe und Silentfähigkeit verwandelt sich schlagartig in deutlich wahrnehmbares Lüftergeräusch, welches jede Komponente eines leisen PCs problemlos übertönt. Es macht den Anschein, als würde den ausblasenden 80mm Smart Fan panische Angst ergreifen, die elektronischen Bauteile des Purepower's überhitzen zu lassen. Ein kurzer Handtest in den doch recht starken Volumenstrom des Lüfters zeigt: die Abluft ist maximal lauwarm. Von daher unverständlich, weshalb der thermogesteuerte Fan derart Gas gibt. Erst der manuelle Eingriff durch den Anschluss an das Drehpotentiometer der mitgelieferten Frontsteuerung lässt wieder Silent-Gefühle aufkommen.

Noch ein Wort zum X-Blower. Wie angesprochen ist dessen Harmonie zur Netzteillautstärke nicht sonderlich optimal gewählt. Selbst bei geringster Drehleistung geht er wesentlich geräuschintensiver zu Werke, als seine axialen Kollegen im Purepower Butterfly. Gut gelöst wurde dagegen das Montageproblem des Radiallüfters. Die mitgelieferten Schrauben ermöglichen natürlich den Einsatz in 80mm Lüfteröffnungen. Aber auch 120mm Öffnungen - wie beispielsweise bei unserem Testgehäuse von Yeong Yang - lassen das Anbringen mittels im Lieferumfang befindlicher Unterlegscheiben zu.

Pro und Contra

+ Verarbeitung und Eye-Catcher-Effekt
+ Kabelausstattung / Länge und Nylonummantelung
+ manuell leiser Betrieb möglich
+ umfangreicher Lieferumfang
+ hoher Systemkühleffekt
+ ausgewogene Spannungswerte

- temperaturgeregelt sehr laut
- X-Blower nicht ganz passende Wahl
- Leuchteffekt könnte stärker sein

Abschließende Worte

Wie so oft bei Thermaltake Produkten gilt auch beim Purepower 480W die Erkenntnis, dass es Leute geben wird, die dieses Netzteil lieben werden, allerdings wohl genauso viele, die sich ein solches PSU nie in den Rechner bauen würden. Es ist eben nicht immer eine Frage von gut oder schlecht, zeitweise muss man sich auch an abstrakten Werten wie Sympathie und Extravaganz orientieren. Uns überzeugte der Tt-Spross zwar nicht auf ganzer, aber zumindest auf dreiviertelster Linie. Speziell das Ausstattungsangebot mit weitreichendem und kompletten Lieferumfang ( vom X-Blower einmal abgesehen ) hat nicht jeder Netzteilhersteller zu bieten - z.T. nicht einmal die renommiertesten.

Kleine Unstimmigkeiten leistet sich natürlich auch der Schmetterling. So war unserer Meinung nach der Griff zum X-Blower aus den beschriebenen Gründen nicht ganz passend. Dafür ist der Systemkühlende Effekt der gesamten Netzteilkonstruktion ausgesprochen gut. Ratlosigkeit verursacht dagegen immer noch das laute Betriebsgeräusch mit temperaturgeregeltem Netzteillüfter. Ansonsten überrascht ( wer andere Tt-Produkte kennt, weiß weshalb überrascht ;-) die ausgesprochene Silent-Tauglichkeit mit manuell gedrosseltem Lüfter.

Aufgrund der Fülle der positiven Eigenschaften, der Flexibilität und der optischen Einfälle verleihen wir letztendlich dem Purepower 480Watt Butterfly unseren Top-Produkt Award, wenngleich es kein Schnäppchen darstellt. Bezogen werden kann es im Online-Shop von PC-Icebox.

Abschließend sei noch einmal ein Dankeschön an Thermaltake ausgesprochen. Wenn sich eurerseits noch Fragen zum Geschriebenen ergeben, seid ihr herzlich im Forum eingeladen!






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