Bereits vor einigen Tagen testeten wir
mit dem Sharkoon SHA300-8P ein Netzteil eines Herstellers, welcher sich
bis dato auf den Modding- und Zubehörmarkt spezialisierte und sich
sowohl im qualitativen, als auch im ideenreichen Umfang einen
angemessenen Namen machen konnte. Leider konnten wir dem Sharkoon
Power-Lieferanten keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen - es
gab einfach zu viele Unstimmigkeiten. Auch im heutigen Netzteiltest
begrüßen wir wieder einen Probanden eines Herstellers, der sich
eigentlich in anderen Gebieten zuhause wägt: Thermaltake. Doch anders
als Sharkoon's recht unauffälliger Spross zeigt
das Purepower 480W Butterfly gleich beim ersten Blickkontakt, warum es
unter der Tt-Flagge segelt. Ein poppig buntes Design mit blinkenden LEDs
soweit das Auge reicht, gepaart mit einer Fülle an Lieferbeigaben nach
denen man eigentlich gar nicht gefragt hat - typisch Thermaltake. Die
einen sind begeistert von dieser optisch favorisierten Firmenpolitik,
die anderen können selbiger keinen Sinngehalt abgewinnen. Nichts desto
trotz versuchen die Taiwaner wie kaum ein anderer Hersteller, den
Käufer mit einer Fülle an Features zu verwöhnen und dies nicht selten
zu unschlagbaren Preisen. Der Test wird zeigen, ob man nun bedenkenlos
zum Purepower Butterfly greifen kann, ohne sich später ärgern zu
müssen.

Vielen Dank an Thermaltake für die
Zusendung des Netzteils.
Lieferumfang
In alter Tt Manier kommt beim Kauf eines
Purepower Butterfly Netzteiles nicht nur das gewünschte PC-Bauteil,
sondern mit selbigen eine Veilzahl an Zugaben im XXL Paket. Beim Öffnen
der Tragekartonage erblicken die leuchtenden Augen des findigen Käufers
einen Tt-Radiallüfter, eine 5,25" doppel - Lüftersteuerung sowie
ein Tütchen Montageschrauben. Auch ein oftmals vermisstes sehr gutes Kleienhandbuch
in englischer Sprache liegt bei, ebenso wie das obligatorische
Kaltgerätenetzkabel. Im Bezug auf die Ausstattung gibt's von unserer
Seite also schon einmal ein "beide Daumen hoch", wenngleich
der Preis für das PSU-Paket von Tt mit knapp 120 EUR recht hoch ist.

Leistungsverteilung
- + 3,3 Volt : 30,0 A
- + 5,0 Volt : 40,0 A
- +12,0 Volt : 18,0 A
- - 12,0 Volt : 0,8 A
- - 5,0 Volt : 0,3 A
- + 5,0 Volt vsb : 2,0 A ( Standby
)
- PFC: aktiv
- Gesamtleistung: 480Watt
Auf der Thermaltake Homepage
zum 480Watt Purepower Butterfly findet man sehr ausführliche Daten zu
den einzelnen technischen Charakterzügen des Netzteils. Unter anderem
wird auch der Wirkungsgrad mit > 68% angegeben. Eine Angabe, die von
den meisten Usern sicher schnell überlesen wird, aber dennoch von
enormer Wichtigkeit zur Einschätzung der PSU ( Power Supply ) Qualität
ist. Angenommen ein PC benötigt 300 Watt unter Volllast. Um diese
Leistung bereitstellen zu können, muss das Purepower mit einer Effizienz
von nur 68% allerdings ganze 440 Watt aus der Stromleitung ziehen. Es
werden also saftige 140 Watt in Wärme umgewandelt, die abgeführt
werden müssen. Zudem fällt natürlich die Stromrechnung am Ende des
Monats mit dem Butterfly wesentlich höher aus, als mit Netzteilen höheren Wirkungsgrades.
Spitzen-Netzteile
erreichen Werte von gut 80%. Das Tt-Modell muss sich hier also relativ
weit hinten einreihen.

Details
Das rund 2,5Kg schwere Butterfly ist
sowohl in einer schwarzen, als auch in einer silbernen Version
erhältlich. Unser Modell ist mit einer rabenschwarzen Beschichtung
äußerlich etwas angeraut und sehr kratzbeständig. Optischen Kontrast
und Hochwertigkeit verleihen goldene Lüftergitter sowie goldene
Verschraubungen. Im Bezug auf die Ausstattungsmerkmale glänzt das
Butterfly in voller Pracht. Alle Kabelstränge haben eine mehr als
ausreichende Länge und sind farblich nach Art unterschieden sauber von
Nylonbändern ummantelt - der Ordnung und Optik zuliebe. Neben den
obligatorischen Einzelsträngen für den Haupt-ATX, den 6pin AUX sowie
den P4 spezifischen 12Volt Zusatzconnector sind auch zwei S-ATA
Anschlüsse für moderne Festplatten vorhanden. Insgesamt neun 5,25Zoll
Stecker für Peripheriegeräte und drei 3,5Zoll FDD-Anschlüsse
verteilen sich auf drei, mit einem Meter Länge sehr großzügig
bemessene, Kabeleinheiten.
Über eine 3pin Molex Verbindung zum
Motherboard kann zusätzlich die Lüfterdrehzahl des 80x80x25mm
SmartFans ausgelesen werden,
welche sich über die mitgelieferte Steuerung sequenziell von subjektiv sehr leise
bis höllisch laut verstellen lässt. Besitzer eines Xaser Gehäuses, eines Hardcano 12 Front Panels
oder ähnlichen Tt-Gerätes können sich sogar die reale
Netzteil Temperatur über die LCDs der jeweiligen Thermaltake Zusatzprodukte
anzeigen lassen.
Kühlung wird groß geschrieben

Vollkommene Kontrolle und absolutes
Kühlmaximum stehen auch beim Purepower Butterfly ganz oben. So vermag
man nicht nur auf die systemventilierende Wirkung der beiden 80mm
Lüfter im Netzteil zu vertrauen, sondern liefert noch - quasi als Bonus
- den bekannten X-Blower Gehäuse-Radiallüfter mit. Unserer Meinung nach
etwas unpassend, denn sowohl geräuschseitig harmoniert der recht laute
radiale Sprössling auch bei niedrigster Drehzahl nicht so ganz mit den
Netzteillüftern, als auch praxisorientiert ist er weniger optimal, da
nicht in allen
Gehäusen an passender Stelle einsetzbar. Also, wenn schon ein
zusätzlicher Gehäuselüfter im Bundle dabei sein muss, dann doch
lieber ein herkömmlicher axialer Vertreter. Zum Konzept des Butterflys
würde auch ein beleuchteter LED-Ventilator ganz gut passen!
Übersichtlich wollen wir euch hier die
Merkmale der drei am Butterfly beteiligten Lüfter übermitteln:
|
Netzteil
Lüfter ( Dual Fan ) |
Gehäuselüfter |
| Bauart |
axial: 80x80x25mm |
axial: 80x80x15mm |
radial: 80x80x70mm |
| Lagerung |
doppelt Kugelgel. |
einfach Kugelgel. |
doppelt Kugelgel. |
Drehzahlen
/ Steuerung |
Temperaturgesteuert: -
1300 rpm bei 25°C - 4800 rpm bei 90°C oder manuelle
Regelung |
immer
2400 rpm |
manuell: 2100
- 4500 rpm |
| Lautstärke |
17dbA bei 1300 rpm 45dbA
bei 4800 rpm |
|
21dbA bei 2100 rpm 41
dbA bei 4500rpm |
| Förderleistung |
34,89
m³/h bis
128,54 m³/h |
|
18cm³/h
bis 42cm³/h |
Wie bereits angesprochen findet sich im
Lieferumfang auch eine Aluminiumsteuerung für einen 5,25Zoll Einschub.
Mit selbiger ist es möglich, sowohl den verstellbaren Netzteillüfter
als auch den X-Blower in seinen Machenschaften nach seinen Wünschen zu
beeinflussen. Die Verkabelung der Blende ist ausreichend bemessen, die
Drehknöpfe sind recht groß geraten, drehen sich aber leichtgängig und
griffig. Funktionell zwar und auch die Verarbeitung ist okay, eine
ästhetische Offenbarung sieht allerdings anders aus.

Öffnet man das Netzteilgehäuse, wird
man von einer aufgeräumten Verkabelung ebenso erwartet, wie von
isolierenden Schutzfolien an den heikelndsten Stellen. Neben den
elektronischen Bauteilen stechen zwei recht kleine blau eloxierte
Aluminium Kühlkörper ins Auge. Viel Platzfreiheit bietet das Interieur
eines genormten ATX-Netzteils ohnehin nicht mehr, nichts desto trotz
fand Thermaltake die Möglichkeit zwei LEDs zu platzieren, welche im
Betrieb munter in sieben verschiedenen Farbkombinationen im Sekundentakt
etwas zweitversetzt vor sich hin blinken. Ob man diese Unruhe auf die Dauer verkraften mag,
muss jeder für sich selbst entscheiden :o)
Damit das - zugegebenermaßen in seiner
Leuchtintensität steigerbare - Lichtspiel auch richtig zur
Geltung und Tt der Namensgebung Butterfly berechtigterweise nach kommt,
bietet das Purepower die Option, ein X-förmiges Blickfenster zu
öffnen, welches standardmäßig von einer verschraubten, silbernen
Blende verschlossen ist. Wirklich viel sieht man allerdings nicht durch
das zusätzlich im Xaser-Style bedruckte Schmetterlings-Guckloch. Nichts
desto trotz ein optisch nettes, wenngleich nicht essentielles
Gimmick.

Wir haben versucht, euch den Lichtwechsel
ein Kleinwenig näher zu bringen. Natürlich ist das Ganze nicht so
einfach, die verschiedenen Farbkombinationen alle festzuhalten. Wir
haben uns Mühe gegeben und durch Serienbilder ist es uns dann doch
relativ gut gelungen ;-)
Stabilität und Testverlauf
Um eine ausgesprochen große Anforderung
an den Test zu stellen, waren wir auf ein entsprechend stromhungriges
Basissystem aus. Dennoch sollte das System in etwa den normalen
Verbrauch eines schnellen Desktop Rechners nachkommen um repräsentative
und vergleichbare Werte zu liefern. Eine ausreichend übertaktete CPU,
eine schnelle Grafikkarte sowie die "üblichen Verdächtigen"
bilden also unsere Plattform ( sortiert nach geschätzter / berechneter
Leistungsaufnahme ):
- Athlon XP 1700+ ( 2100MHz bei 1,87
Volt: ca. 110 Watt )
- ATI Radeon 9800Pro ( ca. 50 bis 60
Watt )
- AOpen Brenner ( ca. 27 Watt )
- Epox 8KRA2+ ( geschätzt: ca. 25 Watt
)
- IDE Festplatte Maxtor ( ca. 15 Watt )
- Maus / Tastatur ( ca. 3 Watt )
- CPU Lüfter ( Papst 0,9 Watt )
Insgesamt kommen wir also auf einen
Strombedarf im Bereich von etwa 250 Watt, wenn die einzelnen Komponenten
alle ihren vollen Anspruch einnehmen. Dieser Wert sollte für das
480Watt starke Purepower absolut kein Problem darstellen, allerdings
kommt es natürlich auch auf die Belastungsverteilung auf den einzelnen
Schienen an. Speziell die 5 Volt Schiene findet in unserem System durch
Laufwerk- und Grafikkartenbelastung recht starke Beanspruchung.
Wohingegen die Bedarf für die CPU fast ausschließlich aus der 12Volt
Leitung gedeckt wird.
Wir führen unsere Messungen mit dem
Motherboard Monitor in Abstimmung mit einem Multimeter durch, um
entsprechend genaue Werte liefern zu können. Die tabellarisch aufgeführten
Ergebnissen stehen für die erzielten Maximums und Minimums eines
Test-Tages. Auslastungen erfolgten über diverse Grafikkartenbenchmarks
( 3D Mark 03, X2, Gun Metal... ), während unser Tweakers4u-Toaster
einer dauerhafte und vollständige CPU-Auslastung zusätzlich bescherte.
Zwischen diesen Sessions hatte das System immer wieder Leerlaufphasen.
| Sollwerte |
akzeptable
Schwankung |
Minimum |
Maximum |
Abweichung
max. v. Soll |
aufgetretene
Schwankungen |
| VCore |
1,84
- 1,87 |
1,84
V |
1,89
V |
0,04
V |
50
mV |
| +
3,3 Volt |
3,15
- 3,47 |
3,33
V |
3,39
V |
+
1,80 % |
60
mV |
| +
5,0 Volt |
4,75
- 5,25 |
4,89
V |
4,97
V |
-
2,20 % |
80
mV |
| +
12,0 Volt |
11,4
- 12,6 |
12,34
V |
12,46
V |
+
3,83 % |
120
mV |
Das Purepower liefert im Spannungstest
befriedigende und ausgewogene, allerdings auch keine Spitzenwerte. Im
Allgemeinen gibt es auf den einzelnen Belastungsschienen keine
kritischen Abweichungen und auch die aufgetretenen Schwankungen belaufen
sich im akzeptablen Rahmen.
Etwas fahl ist der Beigeschmack
allerdings bei Betrachtung der VCore-Schwankungen. 0,05Volt Unterschied
zwischen Last und Leerlaufsituation ist eine sehr große Differenz -
speziell für anfällige und weit übertaktete Prozessoren. Letztendlich
können wir allerdings diese schwache Leistung nicht eindeutig der
Tätigkeit des Netzteils zuschreiben, da sowohl Messungenauigkeiten
durch den Motherboard Monitor, als auch der Einfluss des Mainboards
nicht ausgemacht werden können. Unser letzter Testproband auf dieser
Plattform allerdings, das Sharkoon SHA300-8P, leistete sich lediglich
eine Schwankung von 30 mV bei der CPU-Spannung.
Praxisauffälligkeiten

Belässt man dem Netzteillüfter über
seine Temperatursteuerung sein "intelligentes Eigenleben",
wird man schon nach wenigen Minuten Betrieb böse überrascht. Die beim
Systemstart noch gepriesene Laufruhe und Silentfähigkeit verwandelt
sich schlagartig in deutlich wahrnehmbares Lüftergeräusch, welches
jede Komponente eines leisen PCs problemlos übertönt. Es macht den
Anschein, als würde den ausblasenden 80mm Smart Fan panische Angst
ergreifen, die elektronischen Bauteile des Purepower's überhitzen zu
lassen. Ein kurzer Handtest in den doch recht starken Volumenstrom des
Lüfters zeigt: die Abluft ist maximal lauwarm. Von daher
unverständlich, weshalb der thermogesteuerte Fan derart Gas gibt. Erst
der manuelle Eingriff durch den Anschluss an das Drehpotentiometer der
mitgelieferten Frontsteuerung lässt wieder Silent-Gefühle aufkommen.
Noch ein Wort zum X-Blower. Wie
angesprochen ist dessen Harmonie zur Netzteillautstärke nicht
sonderlich optimal gewählt. Selbst bei geringster Drehleistung geht er
wesentlich geräuschintensiver zu Werke, als seine axialen Kollegen im
Purepower Butterfly. Gut gelöst wurde dagegen das Montageproblem des
Radiallüfters. Die mitgelieferten Schrauben ermöglichen natürlich den
Einsatz in 80mm Lüfteröffnungen. Aber auch 120mm Öffnungen - wie
beispielsweise bei unserem Testgehäuse
von Yeong Yang - lassen das Anbringen mittels im
Lieferumfang befindlicher Unterlegscheiben zu.
Pro und Contra
+ Verarbeitung und Eye-Catcher-Effekt
+ Kabelausstattung / Länge und Nylonummantelung
+ manuell leiser Betrieb möglich
+ umfangreicher Lieferumfang
+ hoher Systemkühleffekt
+ ausgewogene Spannungswerte
- temperaturgeregelt sehr laut
- X-Blower nicht ganz passende Wahl
- Leuchteffekt könnte stärker sein
Abschließende Worte
Wie so oft bei Thermaltake Produkten gilt
auch beim Purepower 480W die Erkenntnis, dass es Leute geben wird, die
dieses Netzteil lieben werden, allerdings wohl genauso viele, die sich
ein solches PSU nie in den Rechner bauen würden. Es ist eben nicht
immer eine Frage von gut oder schlecht, zeitweise muss man sich
auch an abstrakten Werten wie Sympathie und Extravaganz orientieren. Uns
überzeugte der Tt-Spross zwar nicht auf ganzer, aber zumindest auf
dreiviertelster Linie. Speziell das Ausstattungsangebot mit
weitreichendem und kompletten Lieferumfang ( vom X-Blower einmal
abgesehen ) hat nicht jeder Netzteilhersteller zu bieten - z.T. nicht
einmal die renommiertesten.
Kleine Unstimmigkeiten leistet sich
natürlich auch der Schmetterling. So war unserer Meinung nach der Griff
zum X-Blower aus den beschriebenen Gründen nicht ganz passend. Dafür
ist der Systemkühlende Effekt der gesamten Netzteilkonstruktion
ausgesprochen gut. Ratlosigkeit verursacht dagegen immer noch das laute
Betriebsgeräusch mit temperaturgeregeltem Netzteillüfter. Ansonsten
überrascht ( wer andere Tt-Produkte kennt, weiß weshalb überrascht
;-) die ausgesprochene Silent-Tauglichkeit mit manuell gedrosseltem
Lüfter.
Aufgrund der Fülle der positiven
Eigenschaften, der Flexibilität und der optischen Einfälle verleihen
wir letztendlich dem Purepower 480Watt Butterfly unseren Top-Produkt
Award, wenngleich es kein Schnäppchen darstellt. Bezogen werden kann es im Online-Shop
von PC-Icebox.

Abschließend sei noch einmal ein
Dankeschön an Thermaltake ausgesprochen. Wenn sich eurerseits noch
Fragen zum Geschriebenen ergeben, seid ihr herzlich im Forum eingeladen!
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