Getreu dem Firmenmotto "cool all
your life" präsentiert Hersteller Thermaltake erneut einen
interessanten Prozessorkühler auf Basis des mittlerweile sehr
erfolgreich am Markt vertretenen Volcano
12. Anders allerdings als seine Kumpanen
aus der Volcano Serie geht der Polo 735 einen neuen Weg der
Plattformunabhängigkeit, welcher speziell in der aktuellen
Übergangssituation ein nicht unentscheidendes Kaufkriterium darstellen
könnte. So verschafft sich der neue Combo-Cooler die Ehre auf den
auslaufenden Silizium-Gebäcken des Sockel A, auf den aufstrebenden
754er Sockeln der Hammer Generation sowie auf der weit verbreiteten Pentium
4 Plattform mit 478 Pins. Restliche Eigenschaften stimmen weitestgehend
mit dem Volcano 12 überein, so auch der weitreichende Funktions- und
Lieferumfang der Zusammenstellung. Wir testen den Polo 735 als
Nachzügler auf unserer altbewährten Sockel A Plattform und beleuchten,
inwieweit die Thermaltake-Konstruktion zur aktuellen und erst kürzlich
ausgeloteten Weltspitze
zählt.
Unser Dank gebührt einmal mehr Thermaltakes
flotter Bereitstellung, sodass Tweakers4u-Leser schon vor der
Markteinführung informiert werden können.

Der Lieferumfang präsentiert sich
TT-typisch komplett und sinnvoll ausgewählt. In der wiederschließbaren
Blisterverpackung findet der Käufer den fast komplett vorinstallierten
Combi-Kühler sowie zwei Lüftersteuerungen in Dreh-Poti-Form, welche dem
User wahlweise erlauben den Triple-Blade Ventilator von der
Gehäuserückseite über das Slotblech oder an der Vorderseite über die
3,5Zoll Aluminium-Regelung stufenlos zu trimmen. Um seiner
Allround-Fähigkeit gerecht zu werden, liegen entsprechende Montage- und Haltevorrichtungen
für die verschiedenen Sockel bei, welche zusätzlich noch am Kühler
angebracht werden müssen. Eine anschauliche englische Montageanleitung
dokumentiert hierfür säuberlichst illustriert jeden Schritt separat für
die drei Plattformen - so soll's sein! Ein Tütchen Silikon
Wärmeleitpaste, ein Wärmeleitpad, diverse Schräubchen und ein
Temperatursensor für die erweiternde Lüfterfunktion vervollständigen
die Lieferbeigaben.
Merkmale
- Vollkupferkühler im 80mm Layout mit
66Fins ( "density" Design )
- Maße Kühlkörper: 82 x 65,6 x 49 mm
- Gewicht: ca. 732 Gramm
- Lüfter: Everflow - doppelt
kugelgelagert - 3 Rotorblätter ( "triple blade" )
- Maße Lüfter: 80 x 80 x 32 mm (
wahlweise auch 70mm Bohrungen vorhanden )
- Lärm: 21 bis 48 db(A) -
Herstellerangaben
- Leistungsaufnahme von 0,96 bis 5,4 Watt
- 4Pin Anschluss
- Drehzahl sequenziell: ca. 2000 bis
5500rpm
- Temperaturgesteuert: 2000 bei 20°C bis
5500 bei 55°C
- Volumenstrom von 45,5 bis 125 m³/h
- 6 Punkt Halteklammer Sockel A
- 2 Punkt Federverschraubung Sockel 754
- Dual Clip Befestigung Sockel 478
- Freigabe: 3,2Ghz und aufwärts
Kühler im Detail
Wie bereits erwähnt, ist die kupferne
Basis vom Polo identisch mit dem Layout des Volcano 12. Warum sollte man
auch ein derart leistungsfähiges Design ändern, zeigte es sich doch
durchaus konkurrenzfähig zu den Entwicklungen von Thermalright und
Zalman. Allerdings hat der fast 750 Gramm schwere Koloss auch so seine
Schwächen: Die Verarbeitung ist als durchgängig hochkarätig und
einwandfrei zu bezeichnen, allerdings stellen die sehr dünn geschnittenen
Kupferlamellen leichte Angriffpunkte für Krafteinwirkungen dar, sodass
unser Sample transportbedingt teilweise geringfügig verbogene
Kühlflächen aufzeigte. Die Bodenplatte zeigt sich TT-typisch nicht sehr
spiegelfreundlich und schimmert eher matt vor sich hin, kann aber trotzdem
als ausgezeichnet plan beschrieben werden. Auffällig sind zudem die
unzähligen Thermaltake Schriftzüge an nahezu allen Stellen, die wir zwar
von den Taiwanesen gewohnt sind, allerdings könnte man sich bei aller
Selbstverliebtheit und Eigenwerbung hier und da doch etwas bedeckter
geben... .

Die chromähnlich glänzende Lüfterhaube
des Volcano 12 wurde beim Polo nicht weitergeführt, sondern musste einem
baugleichen, aber matt blau lackierten Modell weichen. Dieses ist über
vier kleine Schräubchen seitlich an der Bodenplatte befestigt und muss
vor der ersten Inbetriebnahme kurzzeitig demontiert werden, um die
jeweiligen Sockel-Haltevorrichtungen entsprechend anzubringen bzw. in die
Lamellenaussparung einzulegen. Passendes Feinwerkzeug sollte also parat
liegen.
Detailpremiere feiert der neue Fan-Grill,
welcher laut Aussagen von Thermaltake keinerlei negativen Einfluss auf die
Kühlleistungen und Lärmcharakteristika mehr haben soll. Bereits bekannt
dagegen ist der mächtige Tripe-Blade Ventilator mit 32mm Bauhöhe,
welcher seinen Vergleich
zum Delta bereits erfahren musste und bei ähnlicher Geräuschkulisse
leicht schwächer abschnitt. Nichts desto trotz gehört der Lüfter aus
dem hause Everflow zu den imposantesten Vertretern seiner Zunft und wurde
berechtigterweise mit einer Lüftersteuerung kombiniert. Mit knapp 50 dbA Herstellerangaben
bei voller Drehzahl und einem Luftfördervolumen von über 120 m³/h,
sollte man Mütze und Ohren lieber festhalten :o) Über einen der beiden
Trimmregelungen kann man den Ventilator dann sogar auf ein angenehmes
Niveau bremsen, welches das tägliche Arbeiten am PC nicht zu Qual
ausarten lässt. Optional ist auch der Einsatz "künstlicher Intelligenz"
möglich: Der mitgelieferte Temperatursensor kann einfach an den
Ventilator gesteckt und beliebig im Gehäuse ( am besten unter der CPU )
platziert werden und regelt so die Lüftergeschwindigkeit je nach Bedarf
linear im Bereich von 2000rpm bei 20°C bis 5500rpm bei 55°C. Wir
empfehlen allerdings die manuelle Bestimmung der Drehzahlen.

Der "triple blade" Rotor wird
über einen durchgeschleiften 4Pin Molex mit Strom versorgt. Die
Drehzahlauslese kann dennoch geschehen, da das entsprechende Kabel separat
ausgeführt wird. Leider ist es so nicht möglich, den Ventilator
beispielsweise an eine Lüftersteuerung anzuschließen, welche über
herkömmliche 3Pin Anschlüsse fungiert. Hier könnte man der gesamten
Konstruktion etwas mehr Flexibilität und Kompatibilität spendieren.
Montage
Die Fixierung an den Sockeln erfolgt über
die drei speziellen Vorrichtungen, was bei den einzelnen Plattformen etwa
so aussieht:

Wir greifen wie bereits angekündigt auf
die Sockel A Variante zurück und montieren dementsprechend die 6Punkt
Haltebrücke des Polos. Aufgepasst: Die Klammer darf keinesfalls falsch
herum eingelegt werden, die Aussparung in der Bodenplatte muss mit der
Schraubendreheröse der Klammer übereinstimmen. Um den Kühler nun ohne
Gefährdung der Hardware montieren zu können, sollte die Halteklammer wie
im unteren Bild ausgerichtet werden, sodass die zuerst zu montierende
Seite etwas unter der Bodenplatte klemmt. Mit dieser Methode lassen sich
die Ösen leichter einrasten ohne den Kühler großartig ankippen zu
müssen und eventuell Beschädigungen am sensiblen CPU Kern zu riskieren.
Ist dies geschafft geht das Fixieren der zweiten Seite kinderlicht von der
Hand, da sich durch simples Aufbiegen der Klammer mit Hilfe eines
Schraubendrehers die Klammer ohne Schwierigkeiten einfädeln lässt.

Vom Gewicht liegt der Polo mit über
700Gramm weit über dem Sockel Limit von AMD. So lautet unsere Empfehlung:
Ist kein extrem vorsichtiger Transport garantiert, sollte der Kühler
lieber vorher abgenommen werden. Nichts desto trotz dürften Platzprobleme
und Inkompatibilitäten ausgeschlossen sein.
Testsystem und Referenzwerte
Wie immer gilt natürlich, dass die von uns
ermittelten Werte lediglich auf genau unserer Plattform nach genau unserem
Testverfahren reproduktiv sind. Kleinste Abweichungen von den
aufgeführten Messbedingungen können die Ergebnisse schon erheblich
verfälschen. Auch die Leistung der Kühler / Lüfter Kombinationen
können lediglich als Anhaltspunkt gesehen werden und stellen keinesfalls
allgemeingültige Richtwerte dar. Schon die Wahl eines anderes Gehäuses,
die Ausrichtung des Mainboardsockels oder die Verwendung von
Gehäuselüftern kann sowohl die Ergebnisse, als auch die Abstände
zwischen den einzelnen Kühlern erheblich beeinflussen.
- AMD Athlon XP Palomino 2000+ bei
2,05Volt
- Silber beschichteter
Kupfer-Schutz-Spacer
- Kontaktmittel: Arctic Silver
- Epox 8K5a2+ mit KT333 ( Sockelfühler )
- Terratec GeForce FX 5800Ultra Silent Mod
- Yeong Yang YY-5601 Midi Tower ( ohne Gehäuselüfter
)
- Sharkoon Low Noise Netzteil SHA300-8P
- Umgebungstemperatur: ca. 20°C
- OS: Windows XP Prof.
- Auslese: Motherboard Monitor 5
- Auslastung: Tweakers4u Toaster 1.7
Unser mittlerweile standardisiertes
Testverfahren auf unserer beliebten Extrem-Plattform kommt natürlich auch
beim Polo zum Zuge. Getestet wird im geschlossenem Gehäuse ohne
aktivierte Gehäuseventilation. Die Auslastung der CPU erfährt die heiße
Palomino CPU durch unseren Toaster in der Version 1.7 in einem dreißigminütigen
Durchlauf nach mindestens dreißig Minuten absolvierter Betriebszeit.
Danach werden ca. zehn Minuten zum Abkühlen im Leerlauf eingeplant.
Leider kam der Polo 735 wie angesprochen
etwas zu spät, um in unseren großen Kühlertest hereinzurutschen. Da es
müßig wäre, alle dort erzielten Resultate der verschiedenen Kühler
erneut zu ermitteln, ziehen wir als neue Referenz AeroCool's Award
Gewinner HT-101 in unserer speziellen, extrabreiten und unglaublich
imposanten Double-Triple-Blade-Edition heran :o) Zusätzlich natürlich
auch im Single Betrieb mit dem leistungsstarken Triple-Blade Lüfter von
Thermaltake bzw. Everflow.

Messergebnisse

Deutlich zu vernehmen ist, dass der Polo
735 bei gleichem Lüfteraufbau teilweise doch noch ein ganzes Stückchen
hinter dem HT-101 und somit hinter der aktuellen Spitzenklasse
zurückliegt. Diese Schwäche wird besonders im 12Volt Betrieb deutlich,
indem der Vorsprung des einfach bestückten AeroCool's schon riesengroß
ist und durch den doppelten Lüfteraufbau noch erweitert wird.
Erfreulicher weise rückt der Polo 735 aber zumindest unter 7Volt und
somit im deutlich alltagsnäherem Betrieb dem HT-101 auf die Pelle, was
fast noch höher einzuschätzen ist, als eine gute Performance mit
brachialem Lüfteraufbau. Insgesamt kann also von einem guten
Leistungscharakter ausgegangen werden.
Auffällig während der Testphase: Der
HT-101 konnte die Gehäuseinnentemperatur stets knapp 3 bis 5°C niedriger
halten, als der Polo 735. Dies rührt daher, dass der HT-101 bauartbedingt
schon aktiv an der Gehäuseentlüftung werkelt und durch seine
entsprechende Lüfterausrichtung warme Luft aus dem hinteren 120mm
Blowhole unseres Testgehäuses blies. Wie bei allen
"gewöhnlichen" Lüfterlayouts hat also auch der
Thermaltake-Spross mit der so ständig steigenden Innenlufttemperatur zu
kämpfen.
Pro und Contra
+ gute Kühlleistung ( speziell 7Volt )
+ Dokumentation und Lieferumfang
+ Materialeinsatz + Flexibilität in Lautstärke und Kühlleistung
+ Plattformunabhängigkeit
+ Preis-Leistung stimmt
- enormes Gewicht
- magerer Beitrag zur Gehäusekühlung - empfindliche Lamellen (
verbiegen schnell ) - Stromversorgung Lüfter ( 3Pin Molex erhöht
Kompatibilität z.B. zu anderen Lüftersteuerungen )
Einschätzende Worte
Thermaltake zeigt mit dem Polo 735 eine
ordentliche Allround-Lösung für alle aktuellen Plattformen auf der Basis
eines erfolgreichen Sockel A Kühlers - klar also, dass man hier nicht
sonderlich viel falsch machen konnte. Und so stellt der Kombi-Kühler eine
durchaus akzeptable und flexible Konstruktion dar, auch wenn das letzte Quäntchen
Besonderheit fehlt. Die Leistung ist insgesamt mit gut zu beurteilen,
lediglich im absoluten Spitzenbereich geht dem Kupferkoloss die Luft aus.
Verarbeitung und Lieferumfang sowie Dokumentation und Funktionalität sind
in allen Fällen überzeugend - die Montage auf den verschiedenen Systemen
mit gewissen Vorkenntnissen kein Problem. Alles in allem also eine solide
Vorstellung im Lautstärkebereich von erfreulich akzeptabel bis höllisch
laut und pfeifend. Hinzu gesellt sich eine Preiserwartung, die bei etwa 35
EUR liegt - genauere Angaben können erst bei Markteinführung getroffen
werden. Dann auch sollte der Polo 735 beim deutschen Vertreiber von
TT-Produkten, Frozen-Silicon,
erhältlich sein. Wir wollen an dieser Stelle nicht vom Kauf abhalten.
Für die Bereitstellung sei an dieser
Stelle noch einmal der Dank an Thermaltake
gerichtet. Sind eurerseits noch Fragen zum Thema, bitte stellt diese im Forum.
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